{"id":132,"date":"2013-05-11T23:38:51","date_gmt":"2013-05-11T21:38:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.tosse.info\/?p=132"},"modified":"2013-05-12T15:30:27","modified_gmt":"2013-05-12T13:30:27","slug":"prinzessin-herzeleide","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.tosse.info\/?p=132","title":{"rendered":"Prinzessin Herzeleide"},"content":{"rendered":"<p>Es war einmal ein K\u00f6nig, dem wurden drei Kinder geboren. Eines war klug und kr\u00e4ftig, eines war flei\u00dfig und ausdauernd. Das j\u00fcngste aber war ein M\u00e4dchen, das von allen guten Gaben der Eltern nur die besten in sich vereinte: Das war Prinzessin Herzeleide, schlank und zierlich, empfindsam und widerstandsf\u00e4hig, h\u00f6flich und ehrlich. Als sie erwachsen wurde, galt sie mit ihren dunklen Locken, ihrer alabasterfarbenen Haut und ihrer anmutigen Gestalt schon bald als das sch\u00f6nste M\u00e4dchen weit und breit. Der alte K\u00f6nig hatte sie besonders in sein Herz geschlossen. Nun musste er nicht viel tun, um die kl\u00fcgsten und stattlichsten J\u00fcnglinge des Reiches an seinem Hof zu versammeln, die um sie werben wollten.<br \/>\nEin edler Prinz hatte es ihr besonders angetan. Mit seinem nordischen Namen, seiner h\u00fcnenhaften Gestalt und seinen blonden Haaren stach er aus der Menge der Freier heraus und mit seinem Mut, seiner offenen Art und seinem Stolz gewann er ihr Herz. Schon bald wurde Verlobung gehalten und ein pr\u00e4chtiges Hochzeitsfest ausgerichtet, denn jeder im Reich sollte an der Freude des alten K\u00f6nigs teilhaben und das junge Paar bewundern.<br \/>\nHerzeleide war eine Braut, wie man seit langer Zeit keine mehr gesehen hatte: Dank der Eleganz und Grazie ihrer Mutter kam sie den Elfen und Feen gleich, durch Bodenst\u00e4ndigkeit, Geisteshaltung und Witz ihres Vaters w\u00e4re sie eine w\u00fcrdige K\u00f6nigin\u00a0gewesen. Am Hochzeitsabend wollte jeder bei Hofe ihr pers\u00f6nlich seine besten Gaben und W\u00fcnsche darbringen. Herzeleide war \u00fcbergl\u00fccklich und sah einer wunderbaren Zukunft entgegen. Nur einmal im Verlauf des rauschenden Festes \u00e4nderte sich ihre Stimmung, als eine wei\u00dfhaarige, runzlige Burgfrau aus einem Seitenturm ihr die Huldigung entgegenbrachte. Mit ihren schwarzen, stechenden Augen bannte sie Herzeleide zu Stille und Besinnung, bevor sie sprach: &#8222;Den Du liebst, den fessle Nacht f\u00fcr Nacht. Der aber gebunden ist, den versuche nicht zu befreien. So wirst Du Deinen Namen gefahrlos tragen.&#8220;<br \/>\nBald nach der Hochzeit zog Herzeleide mit ihrem Prinzen auf sein Schloss und begann ein gl\u00fcckliches Familienleben. Ebenso wie sie zog der Prinz Freunde und Wohlstand nur so an und es fehlte ihnen an nichts mehr zu ihrem Gl\u00fcck, als ihnen der erste Sohn geboren wurde. Jahre vergingen und die Prinzessin brachte ein M\u00e4dchen zur Welt. Sie f\u00fchrte den Haushalt, sie zog die Kinder auf, sie lie\u00df ihre findigen H\u00e4nde an vielen Stellen Gutes tun und \u00fcberall ward sie geliebt. Des nachts im Bett aber war sie rechtschaffen m\u00fcde &#8211; den Satz von der Alten hatte sie nie richtig bedacht: In Fesseln legen wollte sie niemanden, schon garnicht ihren Prinzen. Wenn der nicht in Freiheit bei ihr bliebe und immer wieder zu ihr f\u00e4nde, so w\u00e4re er ihrer eben nicht wert!<br \/>\nUnd eines Morgens erwachte sie in ihrem hellblauen Himmelbett allein. Zum Fr\u00fchst\u00fcck, zum Mittagessen, selbst zur Nacht wollte sich ihr Mann nicht mehr zeigen. Als er schlie\u00dflich wiederkehrte, von einer anderen zerzaust und von Reue zerknirscht &#8211; da schickte sie ihn zur\u00fcck in die Freiheit, die er sich genommen hatte. Insgeheim weinte sie bitterlich, h\u00fctete sich jedoch, ihre Kinder etwas merken zu lassen. Sie nahm kaum Speisen zu sich und man h\u00f6rte sie kaum noch lachen. Sie richtete sich auf ein pflichtbewusstes und entsagungsreiches Leben ein, das sie der Kinder wegen allein verbringen wollte: Niemand sollte das Andenken des Prinzen jemals tr\u00fcben.<br \/>\nBis sie eines sch\u00f6nen Tages einen entfernten Verwandten besuchte, der mit seiner Familie eine einsam entr\u00fcckte Burg bewohnte. Gl\u00fcckliche Kinder umsprangen ihre F\u00fc\u00dfe und gl\u00fcckliche Eheleute warteten ihr auf. Jedoch das Gl\u00fcck entpuppte sich schon bald als hohl und leer. Es war der Graf, der an einsamen Orte ihr sein Herz aussch\u00fcttete und sie als Seelenverwandte um Trost und Rat anging: Alles, alles hatte er erreicht und wie sein Weib alle Pflichten tapfer erf\u00fcllt. Doch die Liebe war ein fl\u00fcchtiger Gast gewesen und hatte sie schon bald verlassen. Zu Tr\u00e4nen ger\u00fchrt glaubte die Prinzessin ihr eigenes Schicksal zu erkennen und entbrannte in gl\u00fchender Liebe. Doch so sehr der Graf ihrer Liebe bedurfte und sie noch heftiger zu erwidern versprach &#8211; sein Leben \u00e4ndern wollte er nicht. Denn je mehr Herzeleide sich nach ihm verzehrte, desto bequemer wurde ihm sein Los: Von der Quelle einer solchen Liebe gelabt, verdurstete er in der trockensten Ehe nicht!<br \/>\nDie Prinzessin wollte Gl\u00fcck, das sie f\u00fcr sich selbst ersehnte, einer anderen nicht nehmen. Doch von ihrer Liebe konnte sie auch nicht mehr lassen. Nur das gr\u00f6\u00dfere Leid um des Grafen Willen gab dem Verlust des Prinzen einen Sinn. So tat sich mit der Zeit unter ihrem Herzen eine klaffende Wunde auf und immer, wenn sie des Prinzen oder des Grafen gedachte, vergoss sie ihr kostbares Blut. Allm\u00e4hlich wurde sie blass und immer blasser und langsam gingen ihr die Kr\u00e4fte aus. Und wenn sie nicht gestorben ist dann &#8230; liebt sie heut nicht mehr.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es war einmal ein K\u00f6nig, dem wurden drei Kinder geboren. Eines war klug und kr\u00e4ftig, eines war flei\u00dfig und ausdauernd. 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