{"id":293,"date":"2013-07-27T00:05:20","date_gmt":"2013-07-26T22:05:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.tosse.info\/?p=293"},"modified":"2013-09-03T07:26:13","modified_gmt":"2013-09-03T05:26:13","slug":"jackie","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.tosse.info\/?p=293","title":{"rendered":"Jackie"},"content":{"rendered":"<p>Jackie geh\u00f6rte zu jenem Typus junger Frauen, wie sie zu Hunderten die PR- und Werbeagenturen dieser Welt durch(sch)liefen &#8211; bis sie sich nach Jahren entweder einen lukrativen Repr\u00e4sentationsjob in einem Unternehmen gesichert haben, den sie mit ihrem appetitlichen bis attraktiven Aussehen, ihren perfekten Manieren, ihrem mehrsprachig sicheren, modischen Geplapper und der inzwischen erworbenen Routine in kleineren wie gr\u00f6\u00dferen Machtk\u00e4mpfen ausf\u00fcllen &#8211; oder ihre \u00f6ffentliche Wirksamkeit ganz in den privaten Dienst eines unerreichbar hohen Repr\u00e4sentanten stellen, so m\u00e4chtig oder verm\u00f6gend, dass nur noch dezente PR-Ma\u00dfnahmen mit eigenen Kindern, Gartenparties, luxuri\u00f6sen Reisen und wohlt\u00e4tigen Aufgaben gefragt sind. In beiden F\u00e4llen spiegelt sich ein Aufstieg in der Hierarchie in k\u00f6rperlichen Attributen: Immer ausladendere Dekollet\u00e9s, immer breitere H\u00fcften stecken in immer teureren Klamotten, immer dickere Schichten Make-up \u00fcber dem mit Selbstbr\u00e4uner vedelten Teint m\u00fcssen die Spuren privater und gesch\u00e4ftlicher Dem\u00fctigungen oder Misserfolge \u00fcberdecken, w\u00e4hrend Erfolgstroph\u00e4en deutlich sichtbar in Gold und Edelsteinen zur Schau gestellt werden. Offensichtlich, warum Unternehmen wie Private sich regelm\u00e4\u00dfig vor die undankbare Aufgabe gestellt sehen, das Personalkarussell sozial vertr\u00e4glich weiter zu drehen.<br \/>\nDeshalb veranstalten Berufsverb\u00e4nde und Branchenorganisationen Kongresse, die von renommierten Unternehmen gesponsert werden. Auf einer derartigen Veranstaltung hatte er Jackie kennen gelernt. Wie immer war er auf dem abendlichen Welcome Event halbblind und unbedarft herum gestolpert, und nur eine nicht einmal beabsichtigte Ungeschicklichkeit hatte ihm Jackies Bekanntschaft eingebracht, die sein Interesse mit der unwiderstehlichen Verbindung eines warmen Blickes aus ihren rehbraunen Augen mit einer ungewohnt zynischen Bemerkung gewonnen hatte. Sie stand auf schlanken, langen Beinen, die ihr selbst in ihrem schwarzen Hosenanzug einer Kaufhausmarke einen modelhaften Auftritt erlaubten. Ihre braunen Haare fielen locker auf die Schultern, schlicht und ohne Spuren teurer Frisurk\u00fcnstler. Dezent geschminkt, wie sie war, betonten ihre dunklen Brauen ganz nat\u00fcrlich ihre Augen. Mit einer aufm\u00fcpfigen, schlanken Nase und elegant geschwungenen Lippen, die immer wieder den Blick auf zwei helle Zahnreihen freigaben, wirkte sie wie eine Franz\u00f6sin, genau genommmen wie das Idealbild aller Franz\u00f6sinnen, eine Pariserin. W\u00e4hrend sie sich lebhaft unterhielten &#8211; sie teilte erfreulicherweise seine Vorliebe f\u00fcr italienische Weine &#8211; entdeckte er jene kleinen Besonderheiten an ihr, die in seinen Augen Sch\u00f6nheit mit Einzigartigkeit adelten: Mit Unterschieden zwischen beiden Gesichtsh\u00e4lften, einem schief geschliffenen Schneidezahn, einem unbez\u00e4hmbaren Haarwirbel oder einem Muttermal enthob sie sich dem Typus und gewann seine Sympathie. Ihre Gespr\u00e4chsthemen hatten l\u00e4ngst den beruflichen Rahmen verlassen und sich \u00fcber alle Spielarten von Kultur erstreckt, vor allem jedoch auf die franz\u00f6sischen und deutschen Literaturen, als er den Abend mit dem Gef\u00fchl beendete, ihn auf bestm\u00f6gliche Weise verbracht zu haben.<br \/>\nObwohl ihre angek\u00fcndigte Bewerbung f\u00fcr die von ihm offerierte Stelle niemals eintraf, blieben sie in Kontakt. Ihre Emails ebenso wie seine Antworten bezogen sich neben wenigen pers\u00f6nlichen Zeilen auf Literatur &#8211; doch warum und vor allem wie systematisch sie aufgebaut waren, das wurde ihm erst lange Zeit sp\u00e4ter klar &#8230;<\/p>\n<blockquote><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jackie geh\u00f6rte zu jenem Typus junger Frauen, wie sie zu Hunderten die PR- und Werbeagenturen dieser Welt durch(sch)liefen &#8211; bis sie sich nach Jahren entweder einen lukrativen Repr\u00e4sentationsjob in einem Unternehmen gesichert haben, den sie mit ihrem appetitlichen bis attraktiven &hellip; <a href=\"http:\/\/www.tosse.info\/?p=293\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[26],"tags":[],"aioseo_notices":[],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.tosse.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/293"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.tosse.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.tosse.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.tosse.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.tosse.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=293"}],"version-history":[{"count":9,"href":"http:\/\/www.tosse.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/293\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":371,"href":"http:\/\/www.tosse.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/293\/revisions\/371"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.tosse.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=293"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.tosse.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=293"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.tosse.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=293"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}