{"id":397,"date":"2013-09-13T00:24:02","date_gmt":"2013-09-12T22:24:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.tosse.info\/?p=397"},"modified":"2013-09-17T20:06:34","modified_gmt":"2013-09-17T18:06:34","slug":"truffelmenu-im-canal-grande","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.tosse.info\/?p=397","title":{"rendered":"Tr\u00fcffelmen\u00fc im Canal Grande"},"content":{"rendered":"<p>Beinahe w\u00e4re der Groupon-Gutschein verfallen: F\u00fcnfg\u00e4ngiges Tr\u00fcffelmen\u00fc f\u00fcr zwei im Canal Grande, statt 160 nur 80,00 Euro! Die Ursache daf\u00fcr schreiben wir jetzt mal einer Terminmappe zu, in der bestimmungsgem\u00e4\u00df Schriftst\u00fccke verschwinden, um kurz vor dem Verfallsdatum \u00fcberraschend wieder aufzutauchen. Aber wie kann man sich als erfahrener Tr\u00fcffelesser \u00fcberhaupt auf ein solches Gesch\u00e4ft einlassen, wo doch einige d\u00fcnne Scheibchen weniger von der weissen Albatr\u00fcffel den gesamten Preisvorteil vernichten k\u00f6nnten?<br \/>\n\u00c4hnliche Schlauheit hatten einmal Freunde bewiesen, als sie wie von mir empfohlen das LaContea in Neive zum Tr\u00fcffelessen besuchten. Sie lie\u00dfen den Kellner die Tr\u00fcffel \u00fcber ihre Tagliolini hobeln und hobeln, weil sie dachten, so w\u00fcrden sie mehr f\u00fcr&#8217;s Geld bekommen. Schlappe 300 Euro kostete das, und sie waren mutig genug, sich bei mir dar\u00fcber zu beschweren!<br \/>\nMeine beiden S\u00f6hne reagierten jedenfalls begeistert, als sie f\u00fcr den Abend spontan zum Men\u00fc geladen wurden. P\u00fcnktlich um acht Uhr betraten wir das Canal Grande, ein gehobenes italienisches Lokal in M\u00fcnchen, in der N\u00e4he der Nymphenburger Stra\u00dfe, das Franz Josef Strau\u00df frequentiert haben soll. Nachdem wir an einem h\u00fcbsch gedeckten Tisch Platz genommen hatten, mussten wir erst einmal unser ,Problem` l\u00f6sen: Wir hatten einen Gutschein f\u00fcr zwei, waren aber drei. Vorschl\u00e4ge von mir, die einzelnen G\u00e4nge aufzuteilen, wurden von den Youngstern ebenso abgelehnt, wie die Zumutung, sich \u00e1 la Carte ein anderes Gericht zu w\u00e4hlen. Also musste ich ein weiteres Men\u00fc bestellen. &#8222;Kein Problem&#8220;, erkl\u00e4rte der h\u00f6fliche Ober, als ich ihn auf die 50 Prozent Rabatt ansprach, die der Gutschein gew\u00e4hrte. &#8222;Das Men\u00fc steht bei uns f\u00fcr 43,50 Euro auf der Karte. Den h\u00f6heren Preis haben wir nur f\u00fcr Groupon angegeben.&#8220; Er l\u00e4chelte freundlich.<br \/>\nPerplex durch diesen so freim\u00fctig und fr\u00f6hlich eingestandenen Betrug w\u00e4hlten wir den Hauptgang Fleisch, stie\u00dfen mit dem im Preis enthaltenen Lugana von Ca&#8216; dei Frati an und kosteten von dem selbst gebackenen Brot. Die &#8222;Tr\u00fcffel Vorspeise&#8220;, welche die vor uns stehende, kleine Men\u00fckarte angek\u00fcndigt hatte, war eine ovale Platte mit italienischen Antipasti, ganz unitalienisch f\u00fcr jeden einzeln portioniert, jeder einzelne ein kleiner Genuss: hervorragend ger\u00e4ucherter Lachs, saftiger Kochschinken, Vitello tonnato von einem guten St\u00fcck Fleisch, getrocknete Tomate und gebratene Auberginenscheiben in \u00d6l, Oliven. &#8222;Nichts mit Tr\u00fcffel&#8220;, stellte mein \u00e4lterer Sohn entr\u00fcstet fest, w\u00e4hrend von einem Nebentisch der Duft des Tuber Aestivum Vitt., der italienischen Sommertr\u00fcffel in die Nasen zog. Ziemlich viele der Nebentische bekamen den gleichen Service. &#8222;Tr\u00fcffel Vorspeise heisst sie eben, weil sie vor den Tr\u00fcffeln kommt&#8220;, kommentierten wir mit leichter Entt\u00e4uschung und stellten ein weiteres Mal fest, dass andere etwas lockerer mit Preis- und Inhaltsangaben umgehen, als wir dies gewohnt waren &#8211; diese f\u00fcrchterlich deutsche Pedanterie!<br \/>\nSchlie\u00dflich n\u00e4herte sich auch unserem Tisch der intensive Geruch der wertvollen Knollen. Die Tagliolini standen frisch, perfekt auf den Punkt gekocht, zu einer appetitlichen Kugel gedreht inmitten des mit zerlassener Butter bedeckten Tellers, reich mit Tr\u00fcffelscheiben gesegnet. Wir waren begeistert.<br \/>\nAuch der n\u00e4chste Gang, mit Ragout gef\u00fcllte Tortellini, f\u00fchrte auf gekonnte Weise vor, was man alles mit den kleinen Knollen anstellen kann, die in manchen Jahrhunderten in reicheren Haushalten wie Maggi verwendet worden sind. Den Fleischgang bildeten zwei Schnitzelchen in Tr\u00fcffeljus. Die Portion entsprach nicht den Erwartungen, die meine S\u00f6hne in den angek\u00fcndigten Hauptgang gesetzt hatten; insgesamt erinnerte sie mehr an ein schnell produziertes Pensionsessen f\u00fcr die Hausg\u00e4ste. Doch das weiche Fleisch in Rinderfond, der tats\u00e4chlich Tr\u00fcffelaroma bot, und ausreichend P\u00fcree, um den Fond vollst\u00e4ndig zu verbrauchen, waren akzeptabel im Rahmen des Men\u00fcs. Wir hatten uns als Rotwein dazu einen Primitivo empfehlen lassen, der hervorragend harmonierte und &#8211; wie wir anschlie\u00dfend feststellten &#8211; richtig g\u00fcnstig war.<br \/>\nDie Nachspeise, oft der kreative H\u00f6hepunkt der italienischen K\u00fcche, kam als tiefgefrorener Tartufo aus Vanilleeis auf den Teller, der eher einem Kantinenessen einen w\u00fcrdigen Abschluss bereitet haben w\u00fcrde, als unserem Tr\u00fcffelmen\u00fc.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beinahe w\u00e4re der Groupon-Gutschein verfallen: F\u00fcnfg\u00e4ngiges Tr\u00fcffelmen\u00fc f\u00fcr zwei im Canal Grande, statt 160 nur 80,00 Euro! 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